Die Blumenkönigin

Die Blumenkönigin

von Margarethe Schmuck

 Es lebte einmal ein Mädchen mit seinen Eltern am Rande der Stadt. Der Vater arbeitete in der Fabrik, und die
Mutter war einkaufen gegangen.Da dachte sich das Mädchen, es hieß Vevele, daß es auf die Wiese ginge und der Mutter ein kleines Blumensträußchen pflückte. Vevele sperrte die Wohnung ab, versteckte den Schlüssel unter dem Fussabstreifer, damit die Mutter ihn auch finden könnte, und hüpfte die Strasse entlang auf die Wiese zu. Auf der Wiese gab es viele verschiedene Blumen. Ganz behutsam und zart pflückte sie eine Blume nach der anderen. Vevele wollte nur ein kleines Sträußchen, da sie wußte, dass die Blumen auf der Wiese am schönsten sind.
Als das Mädchen glaubte, nun genug zu haben, stand auf einmal ein Blumenelflein vor ihm. Das Elflein nahm das Mädchen bei der Hand und sagte, ihre Herrscherin, die Blumenkönigin, wolle es sehen. Das Elflein bemerkte die Furcht des Mädchens und sprach: „Du brauchst dich nicht zu fürchten, meine Königin ist eine liebe und gerechte Herrscherin.“ So folgte ihr das Mädchen durch den Wald und sie kamen auf eine Lichtung. Da gab es Blumen, die das Vevele noch nie gesehen, hatte und in der Mitte all dieser Blumen saß die Blumenkönigin. Um die Königin schwebten die Elfen. Jede Elfe hatte ein Krönlein auf dem Köpfchen, und die
Krönleins hatten die Formen der vollerblühten Bliiten der verschiedensten Blumen. Die Königin trug ein Krönlein in der Form einer Lilie. Das Elflein zog das Mädchen vor die Königin, verbeugte sich, und stieß auch das Mädchen an, sich zu verneigen. Die Königin fragte das Mädchen, ob es mit den Elfen spielen wolle, und Vevele sagte: „Sehr gerne, nur am Abend muss ich wieder daheim sein.“ Die Zeit verging im Nu. Zwischendurch gab es Honig zu essen und Tautröpfchen zu trinken, und als das Mädchen endlich müde war, ging es zur Königin, machte einen Knicks, bedankte sich artig und sagte, nun wolle es nach Hause.Die Königin streichelte dem Mädchen über das Köpfchen, setzte ihm eine Krone aus Vergissmeinnichtblüten auf und sagte:
„Wenn du oder deine Eltem in grosser Not sind, so brich eine Blüte ab und ihr werdet keine Not mehr zu leiden
haben. Aber bitte, tut es nur in der grössten Not, sonst bringt es euch nichts Gutes.“ Das Vevele versprach es
und ging mit dem Elflein wieder nach Hause. Zuhause angekommen, erschrak es fürchterlich, als es seine Eltern bitterlich weinend am Tisch sitzen sah.
Als die Eltern das Mädchen bemerkten, sprangen sie auf, umarmten es beide und erdrückten es fast vor lauter Liebe. Vevele erzählte ihnen, wo sie gewesen war und daß die Blumenkönigin ihr eine Blütenkrone aufgesetzt habe. Und wirklich, auf ihrem Kopf glitzerte es nur so.
Die Blütenkrone war zu Gold geworden. Die Eltern sagten, daß sie sie sich so viele Sorgen gemacht hätten
und so traurig waren, denn ihre Tochter sei auf den Tag genau ein ganzes Jahr verschwunden gewesen. Vevele erzählte von ihren Erlebnissen bei der Königin und daß für sie nur ein Tag vergangen wäre, und sie erzählte den Eltern von dem Versprechen, daß sie der Blumenkönigin geben mußte, von dem Krönlein nur in aller größter Not eine Blüte abzubrechen. Auch die Eltern versprachen es. Aber seit der Heimkehr der Tochter hatten sie immer Glück und sie brauchten das Krönlein, nicht anzurühren.
Als das Mädchen heiratete, schmückte es sich mit dem Krönlein und auch das Paar hatte immer nur Glück. Das Mädchen wurde zur Mutter, und oft erzählte sie den Kindern von den Elfen und der Blumenkönigin. Eines
Tages setzte eines ihrer kleinen Mädchen das Krönlein zum Spielen auf und plötzlich hörte es einen lieblichen
Gesang :
Es war einmal und wird einst sein
ein wunderschönes Tal.
Der Blüten Duft, die zarte Luft
ist das, was Feen und Elfen ruft.
Sie leben dort in heil’gem Tanz,
die Sonne ist der Augen Glanz.
Der Mond die Seelen sanft durchflutet,
das Herz – vor lauter Glücke- blutet.
Die Augen voller Liebe leuchten,
nicht Angst, noch Scham
das Tal verseuchten.
Gar lieblich liegt es da und wartet,
auf alle Wesen, alle Arten,
die einst sich an das Tal erinnern,
es Stück für Stück,
mit allen Sinnen,
wieder in ihr Leben tragen.
Auch du wirst es sehr bald nun wagen,
des Alltags Schwere zu versüßen,
in Träumen bald die Elfen grüßen,
und Hand in Hand mit Sternenkindern,
des Tales Lieder wieder singen.
So folge dem Ruf und fürchte dich nicht,
des Herzens Stimme nun lauter spricht.
Das Innerste wird außen sein,
und du von Fesseln dich befrei’ n.
Frei von Furcht nun wirst du zieh’ n,
der Ängste Schatten vor dir flieh’ n,
und wenn du an die Liebe glaubst,
du eine Welt der Wunder baust.

 

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