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THEMA: Über die Tore

Über die Tore 2 Jahre 4 Monate her #94

Über die Tore
Wer kennt es nicht, das Gefühl vor einem verschlossenen Tor zu stehen. Dahinter eine Erkenntnis, ein Erleben, von dem du dich gerufen weisst. Du probierst alles, die Tür zu öffnen. Du berührst sie behutsam, vorsichtig, du suchst einen Spalt zu finden, den du auseinanderdrücken kannst, du klopfst dagegen, hämmerst vielleicht auch an die Tür. Du suchst in der Handtasche deiner Erfahrungen nach dem Schlüssel, du gräbst das Feld all deiner Handlungs-und Denkgewohnheiten um, in der Hoffnung den Schlüssel zu finden. Du fragst Passanten um Rat. Du wendest dich ab, vielleicht ein bisschen ratlos, verzweifelt, ärgerlich, wütend, machst auf teilnahmslos, bis du dir selbst deine Teilnahmslosigkeit fast glaubst. Und dann kommt es wieder, dieses leise Pochen, Flüstern, dieses Rufen und Ziehen von hinter der Tür. Was immer du hinter dieser Tür auch vermutest, sei es ein Schatz, eine Erkenntnis, gelebte Liebe, deine Zukunft, eine Erinnerung, deine Freiheit, das Leben, das du dir von Herzen wünscht etc etc. Es erscheint dir wie eine Not-Wendigkeit dieses Tor zu öffnen.
Vielleicht sitzt du nun vor dieser Tür, hast dir vielleicht sogar schon ein Nachtlager errichtet, dir Nahrung geholt. Du sitzst und wartest. Vielleicht auch hast du Bibliotheken geplündert, Einbrecher um Rat gefragt, hast alles über Türen gelernt, ihre Beschaffenheit studiert, das Prinzip von Schlüssel und Schloss erforscht, Codes, Frequenzen und Magie angewendet. Alles ohne den gewünschten Erfolg. Dazwischen tust du vielleicht auch andere Dinge, doch niemals lässt dich diese Tür ganz los. Vielleicht bist du auch schon mal ganz weggegangen, hast dich in einen Ablenkungsflieger gesetzt und bist nach Toumbouktou geflogen, vielleicht versuchtest du auch aus lauter Wut die Tür zu verbrennen, in deiner Vorstellung, in deinem Herzen oder sie beim Klo runterzuspülen. Egal..was du auch tatest, die Tür und das Gefühl, durchgehen zu müssen ist unkaputtbar, auch wenn sich zuweilen ihre sicht-und fühlbare Form wandelt. Du fragst Dich vielleicht: Wie kann es sein, dass ich so sehr fühle, dieses Tor durchschreiten zu müssen und keine Möglichkeit finde es zu öffnen. Du verstehst es nicht und weil du es nicht verstehst, beginnst du möglicherweise an dir zu zweifeln, an deinen Gefühlen zu zweifeln, an der Richtigkeit deines Empfindens zu zweifeln. Du meinst nun, die Notwendigkeit diese Tür zu öffnen, sei eingebildet. Vielleicht auch glaubst du, du hast versagt, dein Leben sei sinnlos.

Irgendwann kommt vielleicht ein Weiser zu dir, ein Engel, ein Kind und fragt dich, was dich so bedrückt. Du antwortest: "Da ist eine Tür, die ich öffnen möchte, dahinter ist etwas, das mich ruft, unaufhörlich und ich kann sie nicht öffnen."
Der Engel sagt: Was siehst Du? Du sagst: Eine Tür, die ich nicht öffnen kann. Der Engel sagt: Was siehst du noch, was hörst du, was schmeckst du, was ist um dich, in dir? Du sagst: Nichts, da ist nur diese Tür. Der Engel sagt: Das stimmt nicht. Schau genau, was ist da noch? Die Frage des Engels ist bestimmt, eindringlich und wie aus einem Traum erwachend siehst du nun vielleicht Blumen, eine Ampel, den Boden auf dem du gehst, du riechst Gerüche, schmeckst das Wasser, das du vielleicht grad trinkst. Du bemerkst die Sonne, Menschen in einiger Entfernung, vielleicht auch spürst du den Regen, hörst die Autos, Vogelgezwitscher und vielleicht schämst du dich auch ein bisschen, dass du all dies nicht gesehen hast, weil du nur mehr die Tür sahst und doch breitet sich eine tiefe Dankbarkeit in dir aus, Demut auch und ein Gefühl der Weite, der Fülle, die du lange nicht mehr erfahren hast, weil sich deine Welt und dein Bedeuten nur mehr auf dieses Tor fokussierte, das du zu öffnen wünschtest und vielleicht auch erlösen Tränen dich aus der Starre. Es wird weich in dir und weit und eh du dich noch bedanken kannst, ist der Engel schon wieder weg. Vielleicht noch hörst du ihn aus der Ferne oder in deinem Herzen flüstern: Alles ist..immer...alles was ist.
Vielleicht auch, und dies ist im Meer aller Möglichkeiten geborgen für dich..ist die Tür nun offen für dich, vielleicht öffnet sie sich dir nach einigen Tagen, Monaten und Jahren, und du findest exakt das dahinter, das du dort vermutet hast, doch was immer du dort findest , wird dir zeigen, dass der "Weg", die Suche, dein Sehnen und all das damit Verbundene, deine Resignation, dein Durchhaltevermögen, deine Ablenkungsmanöver, dein Mut, deine Verzweiflung, jeden , den du Rat fragtest, all das was du bei deinen Nachforschungen gelernt hast, schlicht alles, dich befähigte das Tor zu durchschreiten. Vielleicht auch ist die Tür verschwunden, weil du alles, was diese verschlossene Tür dir zu schenken hatte, sich bereits erfüllte in dir. Vielleicht auch bleibt sie weiter verschlossen, doch der Drang diese Tür gewaltsam zu öffnen in deinem momentanen Erleben schwindet. Du lässt vielleicht die Tür Tür sein, in der Gewissheit sie eines Tages zu durchschreiten, dann wenn sie sich dir öffnet und öffnest dich selbst in Bereitschaft sie zu durchschreiten dann, wenn es soweit ist und achtest und ehrst deine Erfahrungen, die des Suchens und die des Findens, die des Fragens und Wollens ebenso wie die Momente fraglosen Friedens, einfachen Gewahrseins dessen was ist, in dir und um dich.
Vielleicht auch eröffnet sich dir dieses Tor im Moment deines physischen Todes und du weisst dann mit aller Gewissheit, dass das, was du hinter dieser Tür vermutetest, vor der Tür war, dass es dein Leben war. Und vielleicht auch erkennst du dies noch in deinem physischen Körper und vielleicht auch verschmelzen Schloss und Schlüssel aus deiner Vorstellung und du erkennst beides als eins in dir und jedes diesbezügliche Mysterium löst sich auf, ebenso wie sich die lineare Zeiterfahrung zurückzieht in deiner Wahrnehmung und durch die Ewigkeit der Gleichzeitigkeit sich erweitert.
Neue Fragen werden sich eröffnen, neue Räume, neue Antworten, die immer der Frage entsprichen, die sie hervorruft aus den unendlichen Weiten deines Seins...
Da sind Tore für und in jedem von uns, offene und geschlossene, scheinbar vor uns liegende und vergessene. Wieviele Türen hast du vergessen, vielleicht gar nie bemerkt, weil du im sie Durchschreiten, zu Nichttoren machtest, weil du keine Trennung erfuhrst zwischen davor und danach.

Das ist die Geschichte der Tore, der Schlüssel und Schlösser, die erzählt werden wollte. Dein Befinden, (bzw dein Dich wo finden) deine Identifikation mit Etwas und die Beschaffenheit dieses Etwas entscheidet, ob und als was du sie wahrnimmst oder nicht. Nichts ist besser, nichts schlechter..kein richtig, kein falsch...Tore über Tore, unendliche Türen, erst im Erschreiten aller, im sich selbst erfüllenden Leben, im sich selbst ersiegten Gewahrsein ersteht die Wirklichkeit der zeit-raum-und torlosen All-Einigkeit, in der solange du es wählst, dich mit Etwas als Ich zu identifizieren, sich dir alle Tore, alle Räumen und alle Zeiten eröffnen. Tor, Schlüssel und Schloss sind immer dem gemäss, was du im jeweiligen Moment deines Erfahrungsraums zu sein meinst, bzw nicht zu sein. Es ist das dir selbst an dir Unbekannte das dich in neue Erfahrungen treibt und gleichermassen sind all deine Erfahrungen, scheinbar vergangene und zukünftige die Fülle des Herzens des Nichts...die Fülle des Seins. In Liebe Lile
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