Lile an Eden ← Zurück

Wundersame Reisen

Marhaba-مرحبا

Als ich mit Berbern in der Wüste lebte, hat mich mein geliebter Freund Ismail jeden Tag mit leuchtenden Augen und „Marhaba“ begrüsst, was auf deutsch "Willkommen" heisst. Dieses Willkommen war Ausdruck lebendiger, sprudelnder, fühlbarer, ansteckender, unbändiger Liebe und Freude… „Willkommen im Leben, schön, dass es dich gibt, schön dass du da bist, ich liebe dich, ich liebe das Leben, das Leben ist wundervoll…“

Das alles in einem einzigen Wort und strahlenden Augen. Und jeden Tag, jeden Moment war es neu und frisch wie eine offene glückselige Wunde, aus der unendliche Liebe und Freude fliesst.

Dieses „Willkommen“ rief die Liebe, die Freude, das Leben in mir…anfangs fast schmerzhaft, weil ich mir der verbliebenen Bandagen bewusst war, in die ich diese Lebendigkeit gewickelt hatte, (auch aus Angst meiner Umwelt zu viel zu sein), doch die Resonanz mit meinem eigenen Inneren war so gross, dass meine eigene Liebe und Freude die Bandagen einfach wegschwemmte, mit sich riss und ich ganz und gar, mit Haut und Haar in dieses Hallelujah ans Leben und die Liebe mit einstimmte…

Ich möchte hier auch erwähnen, dass die Jahre vor der Wüste für mich Jahre der Häutung waren…Ich war nicht mehr bereit Kompromisse zu leben. Das ging unter anderem so weit, dass in dieser Zeit vereinzelt Männer den Weg in mein Bett fanden, die ich dann allesamt kurzerhand wieder rausschmiss, bevor es auch nur zu einem Kuss gekommen wäre….Keiner von ihnen war gegenwärtig. Keine Berührung berührte mich, so als ob allein die Tatsache genügt hätte, mit einer Frau im Bett zu sein, dass ein „Rollenspiel“ begann, so als ob sich eine Vorstellung von sich selbst als Liebender verselbstständigte und völlig getrennt vom Augenblick oder dem Gegenüber agierte…

Das befremdete mich und stiess mich ab….Bei dem Versuch sie sanft dem Moment zu öffnen, bemerkte ich dass sie den Moment nicht wahrnehmen konnten, weil sie sich selbst nicht wahrnahmen und die Stille nicht ertrugen…weder die Stille noch das Lauschen der Stille…einfach nur da sein…zu fühlen, ziellos geschehen zu lassen, sich selbst, den anderen…

Ich bin mir bewusst, dass das alles sehr nach Wertung oder gar Urteil klingt, doch werte ich nicht…es ist eine „Bestandsaufnahme“ und die Tatsache, dass ich keinen Sex mit Programmen möchte. Die betroffenen Menschen sind mir jederzeit willkommen.

Wie auch immer..ich kannte das von früher, ich kannte die Erfüllungszwänge, den Zwang etwas zu scheinen, sich durch Rollen zu schützen, sich anzubiedern, um sich geliebt, angenommen etc….zu fühlen und zuweilen erfahre ich reaktionsautomatische Restauswüchse dessen noch immer...minim aber doch;-)

Auch ich hab vermutlich zu oft den Satz gehört: So wie du bist, kann ich dich nicht lieben….wärest du nur anders…

Bei mir gipfelte dies letztendlich in einer einzigen Frage: Bin ich hier um Erwartungen und „Vorstellungen über“ anderer zu erfüllen oder meinem Innersten gemäss zu leben…

Meine Antwort war es, mir gemäss zu leben, was mich einesteils in „Wunderwelt“ brachte, und gleichzeitig damit konfrontierte, dass sich manch andere durch mein So-Sein verletzt und bedroht fühlten. Das sind vorallem Menschen, die in Abhängigkeit vom Staubkorn leben, denen Arbeit, Ordnung, Kontrolle, Gutdastehen und Rechthaben als äusserst wichtig erscheinen..

Wie auch immer

Ich bin nicht kontrollierbar und erkenne auch bestens kaschierte Selbstlügen…und so häutete ich mich, Schicht um Schicht.

Doch all das wollt ich überhaupt nicht erzählen;-)

Ich begegnete in der Wüste der Unschuld, der Weite, der Weisheit eines vereinigten Herzgeists, der Würde des Einfach-Seins, der Tiefe und den Rhythmen von Mutter Erde, dem wirklichen Verwurzeltsein im Leben, der Ganzkörperlichkeit( bei uns in Europa scheinen die unteren Chakren oft wie abgetrennt, nicht durchströmt, als ob erst vom Solarplexus aufwärts Leben in uns wäre) und auch der Transdenzenz.

Ich begegnete der Liebe als Kraft und Wesen zugleich, war eins mit Gott usva m..doch das sind andere Geschichten, die heute nicht oder vielleicht nie erzählt werden wollen….

Heute möchte ich Marhaba rufen..WILLKOMMEN…

Ich glaube es ist dieses WILLKOMMEN, das dieser Welt so sehr fehlt…

Ein genuines Willkommen an alles, was wir sind und scheinen..an das sich Anschmiegende und Abstossende, an das Gleiche und das Andere, an all die Vielfalt, die sich aus all den Perspektiven ergibt…ans Sein und ans Denken(auch Denken ist eine Funktion des Seins), an alles was ist und all unsere Fragen und Antworten zu dem was ist. Ein Willkommen dem Leben und wie es sich durch uns ausdrückt. Ist es nicht ein heiliger Tanz, wie unsere Wahrnehmung von dem was ist, ganze Erlebens-und Erfahrungswelten gebiert in jedem Jetzt…?

Welch wundersame Kunst, welche Musik haben wir hervorgebracht, durch unser So sein, durch unser Erleben dessen was ist und was es mit uns macht….und welche Bereicherung ist jede einzelne Empfindung, jede Erfahrung jedes Einzelnen im Ganzen. Welch Gnade selbst "Kind" dieses Seins zu sein und es gleichermassen betrachten und erleben zu können, individuell verschieden, essenziell eins.….Welch Gnade Mensch zu sein….welch Gnade lebendig zu sein

Marhaba


Wie gefällt dir dieser Beitrag?

🕮 Kommentar hinterlassen