DER GARTEN DER LIEBE :
Liebe ist ein Garten der anderen Art.
Du kannst ihn niemals von außen sehen.
Öffnet sich dir das Tor durch ein Wunder,
zu seiner gewaltigen Schönheit, wirst du die ganze Welt dort finden,
ohne Unterschied zwischen den Lebenden und den Toten,
zwischen der Raupe und dem Schmetterling,
zwischen gut und böse.
Du wirst dich selbst im Paradies finden
und in jedem Moment Ewigkeit erfahren.
Doch durch einen einzigen Gedanken des Zweifels,
der Angst, der Scham oder Schuld, wird seine Schönheit verblassen
und der Garten wird zu einer anderen Welt für dich werden.
Unsichtbar, entrückt, hinter den Schleiern deiner Angst
und deines Verstandes verborgen.
Du wirst dich auf dem Schlachtfeld wieder finden,
gefangen in der Illusion der Trennung, der Zeit und des Raumes,
im ewigen Spiel zwischen Fragen und Antworten.
In deinem Herzen wird eine Erinnerung bleiben,
eine winzige Ahnung von dem, was da auf dich wartet.
Es liegt an dir, den letzten Schritt zu tun, um über die Schwelle zu gehen.
Verlier die Angst etwas zurück zu lassen oder zu verlieren.
Du kannst nichts verlieren.
Im Bewusstsein des Gartens ist alles hier und jetzt.
(Aus: Das Buch des Lebens, Lile an Eden, Artvisionweb Verlag)
In Irgendzeit
bricht sich ein Frühling erneut
den Weg durch die Schleier der Träume,
In Irgendzeit
ruft dein mutiges Herz
zu gehn dich in werdende Räume,
die erst durch dein Gehen
in Liebe entstehen.
In Irgendzeit
ist die Vergangenheit nicht
von deiner Zukunft getrennt,
In Irgendzeit
bricht sie beide das Licht,
vereint zu gebären den Moment.
Aus ihm zu erleben.
weiter zu streben
und gleichzeitig in dir zu ruh‘n.
Das ist das Tun
und das Nichtstun zugleich
in Irgendzeits
fliessendem Reich.
In Irgendzeit
können Dinge geschehen,
die wir mit den Augen
noch lange nicht sehen.
Glückseligt die Träume
in Irgendzeits Raum,
wie Früchte sie fallen
vom Echtlebensbaum.
In Irgendtag
bahnt sich die Liebe den Lauf,
durchbrechend die Nebel des Lebens,
sie reisst in dir den Himmel auf,
du wirst zum Gefäss eines Gebens,
das nicht mehr in Entfernung misst
und Geben und Nehmen gleichzeitig ist.
In Irgendzeit, so weit wie nah
scheint dir die Sonne im Herzen so klar
Es ist, als möcht' der Himmel
im Himmel nicht mehr sein
er steigt herab zur Erde
und in dein Herz hinein.
Dort lebt er jetzt und strömet
Glückseligkeit hinaus,
erfüllt die Welt mit Lachen
das Unglück treibt er aus.
Die Angst ist nun entschwunden
zurück bleibt Glück allein
Sie hat die Lieb´gefunden,
ergab sich ihrem Sein
So lausche denn und fühle
was Himmel in dir singt
von leuchtend lichten Auen
wo´s ew´ge Leben klingt.
(c) Lile An Eden, Irgendzeit
Aus dem Buch: Die Magische Natur
Lange bevor meine Seele sich aus den lichtenen Welten einen irdischen Körper erdichtete, sprach das sich formende Leben zu ihr:
"Willst du, so frag ich dich, dein Lied in Ton ergiessen, der einstmals wird ein Mensch genannt und sterblich sein im irdisch Gewand?"
Meine leuchtende Seele sagte: "Ich will"
Und weiter sprach das Leben.."Doch wisse, ich werde dir Menschen schicken, die dich lieben und dennoch verraten, die dir nahe sind und fern, die dich belügen und retten, die dir ewige Treue schwören und doch sich selbst nicht treu sind..
Sie werden dich aufnehmen und verjagen, dich liebkosen und schlagen, sie werden alles mit dir tun, was ihren Möglichkeiten entspricht. Es wird Zeiten geben, in denen du mich hassen wirst, mir entfliehen willst, Zeiten des Sturms und der Enttäuschung."
"Ja, ich will" sagte meine leuchtende Seele, die nichts kannte ausser Liebe, der sie entsprang..
"Doch wisse", so sprach das sich formende Leben, "du wirst alles vergessen, was du jetzt noch weisst, dich selbst wirst du vergessen, in dem, was dann irdisches Dasein heisst. Doch wirst du noch immer dieselbe sein, aus der Liebe geboren, im Herzen rein"
"Ja ich will, sprach die leuchtende Seele, wie schön muss das Vergessen sein."
Und lächelnd nahm das sich formende Leben die Hand meiner Seele und sie vermählten sich in heiligem Bunde. Das Leben sagte: "Ich liebe dich, meine leuchtende Seele", die Seele aber sagte:
"Ich vertraue dir, du endlos dich wandelnder Fluss"
Und dann, als viele Monde in vielen Leben vergangen waren, rief die Menschin dem Leben zu: "Wie kann ich dir vertrauen, du hast mich belogen, verraten, verletzt!"
"Und hab ich", so sprach das Leben, "dir je etwas anderes versprochen?"
In diesem Augenblick erinnerte sich die Menschin an die Hochzeit der leuchtenden Seele mit dem sich formenden Leben...
"Nein , hast du nicht" sagte die Menschin, aber warum hab ich dich nicht gefragt, wozu das ganze dienen soll?
"Weil du es wusstest, oh leuchtende Seele und weil du es immer noch weisst..."
"Ich kann mich in dir erkennen", sagte leise die seelenschimmernde Menschin.
"Und ich mich in dir, meine leuchtende Seele", sagte das Leben.
"Ich schenke mich dir ganz, auf dass du mich beseelst mit deiner Hingabe, deiner Liebe, deinem Mitgefühl, deinem Verstehen, deiner Phantasie, deiner Schöpferkraft"
"Vertraust du mir", fragte das Leben nun wieder und wieder.
Die Menschin aber schwieg, denn sie fühlte unermessliche Liebe in sich und Dankbarkeit, sich selbst zu erfahren in allem. in der unendlichen Vielfalt der Gefühle, der Gedanken, der Stimmungen, in Sonne und Regen, in all den wundersamen Landschaften der Erde, die ihr wie ein Ausdruck all ihrer Gefühlsregungen schienen..
Die Tiefe des Meeres, die Weite der Wüste, sanfte grüne Hügel und der Wind, der gegen Klippen peitscht, flüsternde Wälder, moosbewachsene Steine, schneebedeckte Berge und liebliche Täler, Tag und Nacht, die Jahreszeiten, die Farbenpracht, die Fülle der Erntezeit und die Stille des Winters, Sonnenstrahlen und Nebel, der aus den Seen steigt.
"Es ist keine Frage des Vertrauens" sagte die Menschin, ich habe dir immer vertraut, sonst wär ich nicht hier. Ich hatte es nur vergessen, Ich bin in dir und du bist in mir, jetzt und immer"
Und zärtlich vermählte sich das Leben nun auch der seelendurchfluteten Menschin und flüsterte ihr leise ins Ohr..."jetzt wirst du dich nie mehr von mir verlassen fühlen, denn jetzt bist du in mir erwacht."
Minne II
Ich bin da, grosser Geist
wenn Du dich,
in Millionen von Teilen zerlegt,
vergessen hast
und erinnere dich
in den Teilen an dich selbst
in deiner Ganzheit
Ich werde da sein, Sonne der Welten
wenn du deinen Geist
in die Menschlichkeit senkst
und du dich im Geringsten noch
zu erkennen suchst
Ich werde dir Spiegel sein
der dich, was immer
du zu sein scheinst,
daran erinnert,
wie unsagbar schön du
in deiner vollkommenen
Unvollkommenheit bist.
Ich werde da sein,
wenn die Milch der Verkörperung
das Wasser deiner Unsterblichkeit trübt.
Ich werde sie beide umfassen
und dich lehren sie zu unterscheiden.
Ich werde da sein
wenn du wie ein Wurm am Boden kriechst
und meinst, du hättest deine Flügel verloren
Ich werde dir die Hand reichen
und dich lehren zu gehen.
Ich werde da sein
wenn die Sprache sich
dir entzogen hat.
Wenn Gedanken dir
ungeborene Kinder sind
werde ich dein Wort sein.
Ich werde da sein
wenn dein Herz
sich aus der
luftleeren Klammer befreit
und zu atmen beginnt
Ich werde dir Luft sein
und Blut.
Ich werde da sein
wenn du träumst
gestorben zu sein,
in einer Hülle,
die dich nie erfasste
Ich werde wecken dich
in einem Leben,
das dir noch fremd ist.
Ich werde da sein,
wenn du, seelennackt
im Körper, dem Namenlosen begegnest
und das Universum den Atem anhält
in der Begegnung der Liebenden.
Ich werde da sein
wenn die unfreie Freiheit
dir Angst macht,
wenn du aus alter Gewohnheit
den Tanz der Formen
durchbrechen willst
und die Ewigkeit
in der Unveränderlichkeit suchst
In jedem Jetzt
bin ich da
in allem
ewige Liebe
für dich
diesseits
und jenseits
des Flusses.
Aus "Lile´s Minnegesänge" aus dem Zyklus Anderland
Gebunden im Körper, frei im Geist,
dass du als Seele um die Ewigkeit weisst,
die jetzt beginnt, wenn du dich weitest
und Grenzen sprengst, von Welt bereitet,
dann weisst du, dass du nichts versäumt,
weil du erfährst, was du geträumt,
denn irgendwo hat sich´s vollzogen,
auch wenn du fühltest dich betrogen,
denn deine Grenzen sind nicht deine,
sie sind in Wahrheit schön und keine,
wenn du erkennst des Lebens Spiel,
das Grenzen schafft, nur weil es will,
dass sich das eine strahlend Licht
in viele strahlend Lichter bricht.
So bist du immer eins mit allem,
kannst niemals aus dem Einssein fallen,
denn alles, was jemals erlebt
auch in deiner Seele bebt,
und alle Körper werden einer,
verloren ist in Wahrheit keiner,
alle sind sie Instrument,
dass sich der Gott im Sein erkennt
und dauern fort in Ewigkeit
sie wechseln nur ihr irdisch Kleid.
Siehst du den Vogel, wie er fliegt,
du fliegst mit ihm,
wenn Liebe siegt ...
(c) Lile an Eden, www.artvisionweb.com
Die Geschichte des kleinen Schmetterlings auf der Suche nach dem WORT...
Es war einmal und wird einst sein, in Irgendland und Irgendzeit, ein blass-bläulich schimmernder Schmetterling, der im Reich der Gedanken gelandet war.
Die Gedanken in jenem Reich waren ganz still, unbewegt sozusagen, sei es nun, dass sie so schnell flogen, dass sie dem Schmetterling als unbewegt erschienen, sei es, dass sie noch nicht geboren waren, weil niemand ausser dem Schmetterling dieses Reich je betreten hatte und so es nie jemanden gegeben hatte, diese Gedanken zu denken und sie so zum Fliegen zu bringen. Wir wissen das an dieser Stelle noch nicht.
Da waren nun all diese Gedanken und standen im Auge des Schmetterlings einfach so da, ein bisschen so, als ob sie darauf warteten abgeholt zu werden, gedacht oder geboren zu werden.
Der Schmetterling war auf der Suche nach dem WORT, das der Ursprung allen Seins zu sein schien(das hatte er irgendwo im Menschenreich so oder so ähnlich aufgeschnappt) in diesem Gedankenbahnhof gelandet. Nun muss man noch wissen, dass in Irgendland und Irgendzeit ein inniger Wunsch genügt, sich an jedem beliebigen Platz bzw Szenarium einzufinden, das eine Antwort auf eine Frage oder die Erfüllung eines Wunsches birgt. Einer dieser Gedanken schien nun dem Schmetterling mehr als alle anderen zu leuchten und so sprach er ihn an:
" Was macht ihr hier?"
"Oh , wir warten darauf, geboren zu werden" sagte der Gedanke lächelnd zum Schmetterling.
"Warum?" , fragte der erstaunte Schmetterling, "Ihr seid doch schon da!"
""Wir warten darauf gefunden zu werden "
"Wie meinst du das?" fragte der Schmetterling.
"Na ja, wir brauchen einen Landeplatz, sowas wie ein Wesen , das uns denken kann " antwortete der Gedanke.
Der Schmetterling schwieg und schämte sich ein bisschen. Er hatte immer geglaubt, dass z.B. Menschen Gedanken erfänden, produzierten sozusagen und hier standen nun Gedanken, die darauf warteten, landen zu können, wenn er das richtig verstand.
"Wer bitte hat euch denn geformt" fragte der Schmetterling.
"Ach" antwortete der Gedanke, "die Formen, die wir annehmen werden, haben uns geformt"
"Was", ungläubig wiederholte der Schmetterling den Satz: "Die Formen die ihr annehmen werdet, haben euch geformt?"
"Ja so ist es" antwortete der Gedanke, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.( An dieser Stelle muss ich darauf hinweisen, dass jede Geschichte aus Irgendland und Irgendzeit sich selbst schreibt und möchte mich bereits jetzt vom Inhalt distanzieren, um nicht eine Dikussion darüber führen zu müssen, wie ich darauf komme, dass Gedanken Wimpern hätten)
"Was sind Formen?" fragte nun der Schmetterling
"Das sind Inhalte, die die Seele uns gibt. Wir sind vollkommen leer, leere Hülsen, wenn du so willst. Ruhend und schneller als das Licht zugleich. In einem Land, nicht weit von hier, ist das Reich der Seele, und dort bekommen wir Form und Inhalt. Wir selbst sind nur Anlagen für Ideen, die das was ist, von sich selbst haben könnte."
"So , so" sagte der Schmetterling. "Was genau unterscheidet mich von euch?"
Im Wesentlichen nichts, ausser dass du bereits eine mit Inhalt gefüllte Anlage einer Idee bist, die aus dem Geistreich kommt, sich im Reich der Seele mit Inhalt und Form füllte und sich im Manifesten gezeitigt hat."
"Was, ich bin nur ein Gedanke?" fragte der Schmetterling
"Im Wesentlichen Ja, sagte der schimmernde Gedanke wiederum lächelnd, doch bist du mehr als das, denn du hast mich gleichzeitig mit Sinn bzw Sein erfüllt. Ohne Dich würde es mich in dieser Form überhaupt nicht geben !"
"Das kann nicht stimmen, "entgegnete der Schmetterling, denn du warst schon hier, bevor ich kam "
"Wie kannst du das wissen? sagte der Gedanke, "Hast du mich denn schon gesehen, bevor du kamst, bzw mich sahst?"
Der Schmetterling schwieg betreten. Das konnte er natürlich nicht beweisen, dass der Gedanke schon da war, bevor er selbst in diesem seltsamen Reich gelandet war, noch weniger konnte er eine Aussage über die Form des Gedankens machen, die er davor gehabt haben könnte.
"Was ist nun der Sinn bzw das Sein, das ich dir gab? fragte er nun den Gedanken.
"Nun, mit dir bzw aus dir zu sprechen, deine Fragen, meine Antworten kommen dem Geborenwerden gleich, von dem ich vorher sprach. Ich werde in die Form geboren, indem du mich fandest. Du hättest jeden anderen Gedanken hier ansprechen können, aber nur ich war für dich bestimmt und so formtest du mich, indem du mich wähltest."
"Wie hab ich dich geformt?" fragte der Schmetterling.(Das Ganze war ihm an dieser Stelle sehr verwirrend)
"Ich sagte doch schon," antwortete der Gedanke" Ich allein bin nur eine leere Hülle, eine Möglichkeit etwas zu denken sozusagen, aber meinen Inhalt bestimmst du. Du bist mein Inhalt."
"Wie kann ich dein Inhalt sein" fragte der arme Schmetterling (und fast wünschte er sich, niemals nie nicht die Menschen belauscht zu haben und diesen Wunsch nach dem Erkennen des Ursprungs aller Dinge in Irgenland und Irgendzeit geäussert zu haben)
"Erinnerst du dich, warum du gerade mich wähltest?" fragte ihn nun der Gedanke
"Ja, du hast unter all den anderen Gedanken hervorgeschimmert, du hast geleuchtet für mich."
"Aaah", sagte der Gedanke, "was nun, wenn ich dir sage, dass es nur deine Aufmerksamkeit war, die dieses Schimmern hervorbrachte in mir. Dass deine Befindlichkeit, deine Prägungen und dein Dasein mich beseelte, sodass ich für dich schimmerte?"
"Aber warum genau du" fragte der Schmetterling, wenn es hier nur um mich, mein Sein und meine Befindlichkeit ginge, hätten doch alle anderen auch leuchten können"
"Wieviele Gedanken ausser mir, siehst du jetzt hier?" fragte der Gedanke.
Der Schmetterling, den dieses Gespräch mehr als berührte, blickte sich um. Da war nichts, kein anderer Gedanke, ausser dem einen, der vor ihm stand.
"Wie ist das möglich" fragte der Schmetterling. "Vorhin lungerten hier unzählige Gedanken herum."
"Nein", sagte der Gedanke. "Du hast viele gesehen, aber nur einer war da. Ich. Solange du mich aus der Ferne siehst, erscheine ich dir als viele, doch sobald du dich mir näherst, mit mir sprichst, mich zu deinem Gedanken machst, erkennst du dass ich nur einer bin, so wie ich übrigens immer nur einer bin, sein werde und war."
"Was sagst du da? fragte der Schmetterling. "Es gibt überhaupt nur einen einzigen Gedanken?"
"Ja", sagte der Gedanke. Hier schon. Du befindest dich an der Stätte meiner Geburt"
"Wie ist das möglich?" Ich hatte in meinem Leben schon so viele Gedanken und alle waren sie verschieden und ich kenne auch andere, die ebenso wie ich bereits unzählige verschiedenen Gedanken hatten. Das kann einfach so nicht stimmen!"
"Doch das ist so" sagte der Gedanke und dem Schmetterling schien es , als ob er(oder sie) sich dabei mit aller Gelassenheit die Fingernägel feilte.
"Dein individuelles Erleben verändert meine Form und meinen Inhalt für dich, so wie all diese Formen und Inhalte dich verändern , in dem Moment, da du mich denkst, da du eine Empfindung hast, ein Gefühl etc etc und das wiederum verändert mich wieder für dich und du veränderst mich. Und..das tut jeder von euch und ich mit jedem von euch im Jetzt, in jedem Jetzt."
Du kannst mich nicht denken, ohne meine Form zu verändern und du kannst mich nicht denken, ohne dich selbst dabei zu verändern. Ich aber bleibe stets eine leere Hülle, die Möglichkeit zu denken sozusagen. Jedes Wort, das hier gesprochen wird, ändert deine Wahrnehmung und so auch meinen Inhalt. Alle deine Fragen verändern meine Form und meinen Inhalt, den du mir gibst, indem du fragst. Du kannst dich und mich nicht nicht verändern, da du der Inhalt des Raumes bist, der ich bin, geboren und ungeboren zugleich.
"Du sagtest, es passiert im Reich der Seele, dass du mit Inhalt gefüllt wirst"
"Ja, das ist richtig," sagte der Gedanke und da du ein beseeltes Wesen bist, bist du mein Inhalt."
"Was heisst beseelt?" fragte der Schmetterling.
"Nun, du hast die Anlage zu fühlen, zu empfinden, dich zu erinnern, genauso wie in dir die Anlage des Denkens ist, der Wahrnehmung. Die Seele selbst ist das Gefäss, das sich durch dein Erleben mit Inhalt füllt. Dein Sein, dein bewusstes Sein, dein Erleben ist es, das die Hülle beseelt und dein Selbst gebiert im Sosein all deiner Fragen und Antworten. Es ist dein Wesen, das den reinen ursprünglichen Gedanken, der nicht mehr als eine Anlage ist, mit Inhalt füllt und so sich in eine Einzigartigkeit, die du bist, sich schöpft, aus dir selbst und in dir selbst.
"Was bin ich" fragte nun der Schmetterling
"Du bist, was du zu sein meinst und gleichzeitig, weil ich in dir bin, bist du alles was du je warst und sein wirst und sein könntest."
"Wie geht das?" fragte der Schmetterling.
Das "Ich" mein süsser Schmetterling, ist der ursprüngliche Gedanke, der ich bin, meine erste Geburt sozusagen, das Wort, das du suchtest. Eine leere Hülle, wenn du so willst, die sich u.a. durch dich mit Inhalt füllte.
"Willst du mir nun auch noch erzählen, dass es auch nur ein Ich gibt?", fragte der Schmetterling.
"JA, sagte der Gedanke..ich bin eins, doch gibt es Milliarden von Ichs, die aber nicht wissen, dass sie auch Ich sind. Noch nicht, oder nicht mehr, je nachdem an welchem Ort in Irgendzeit du dich gerade befindest. Das Ich beinhaltet die Möglichkeit der Selbstwahrnehmung und liegt allem zugrunde, was im Menschenreich Schöpfung genannt wird.
Das Ich bin, das Bewusstsein dessen was ist, von sich selbst war das heilige "Wort", der erste Gedanke sozusagen, der Anfang und das Ende von allem. Und dieses Ich ist die Fähigkeit sich selbst zu betrachten und das was ist, erkannte und benannte sich im Ich.
Es begann sich zu beschreiben sozusagen und sprach als was es sich erkannte und was es erkannte , sprach es ins Leben. Doch was es sprach, war immer schon da. In gewisser Weise schöpfte das Ich in den vielen jenes eine Ich, das die vielen hervorsprach, die es aber aus unzähligen Perspektiven wahrnahmen, in unterschiedlichen Abfolgen und in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und da es Zeit nicht gibt, sondern nur aus dem Wechsel von Perspektive entsteht, die wiederum den Raum stetig ändert, schöpft das Geschöpfte den Schöpfer und umgekehrt. In Wahrheit schöpft niemand irgendetwas, denn alles ist da, jede Möglichkeit , jedes Erleben, jedes Geschehen ist schon passiert und nie geschehen, je nachdem von wo aus du es betrachtest. Alles was du als Vergangenheit oder Zukunft erlebst, prägt dich in jedem Jetzt. Du bist immer mehr als die Summe all deiner vergangenen und zukünftigen Erlebnisse, denn das Wissen darum bzw das Nichtwissen entscheidet als was du dich gerade wahrnimmst. Stell dich dir vor, träumend und wach gleichermassen ..
Du träumst gerade mit mir zu sprechen, doch ist es deine Wachheit die dir im Traum antwortet. Ebenso träumst du gerade wach zu sein, während du mit mir sprichst und du träumst mit mir zu sprechen, als ob ich etwas ausserhalb von dir Seiendes wäre. Du hast mich quasi träumend aus dir herausgestellt, ebenso wie das eine Ich Gedanken über sich selbst träumend aus sich herausstellte und diese Gedanken beseelte, indem es sie benannte, bzw das in sich selbst benannte, was die aus sich herausgestellten Gedanken an ihm wahrnamen..kein Davor, kein danach...die beseelten Gedanken waren es selbst..alles was es erträumte waren die Perspektiven, die Spiegel sozusagen in denen es sich selbst erblickte..es träumte den Traum des Lebens, doch war es das Leben selbst und all seine Formen die die Idee von sich selbst als Gedankeninhalte erbildeten. Alles was ist ist immer alles was ist , sein wird und war. In seiner zeitlosen Wachheit ändert es sich niemals, denn jede Veränderung ist bereits in ihm enthalten.
Es ist das Bewusstsein, hauptsächlich das Selbstbewusstsein des Ichs in Beziehung auf das von sich selbst Wahrgenommene das sich beständig wandelt im Spiegel des Minds...Es ist der wandernde Aspekt, der Perspektiven wechselnde Aspekt, der in Raum und Zeit "gefallene" Aspekt des Ich bins, der sich im Wandel erfährt. Doch wohnt dem Ich bin auch der Zustand der Unwandelbarkeit inne, der Unverwechselbarkeit auch, der Individualität des Selbsts, in dem das Allselbst sich in all seinen Milliarden von Ichs erfährt. Und all diese Ichs bringen Ideen von der Welt hervor, von sich selbst gewissermassen und jeder ihrer Ideen verändert ihre Realität. All ihre Ideologien, ihre subjektive Wahrnehmung, auch die subjektive Interpretation kollektiver Erlebensübereinstimmungen bringt Realitäten hervor, in denen ihr euch aufzuhalten meint. Milliarden und mehr ineinander verschachtelte, interagierende "Räume" in unterschiedlichen Qualitäten der Liebe, die alle zusammen nicht mehr "Platz" einnehmen als ein Stecknadelkopf. Doch wieviele Erlebniswelten sind in diesem Nichtraum, wieviele Ichs. Es sind die vielen, die das Selbst zu jener Vielheit machten, die jene Komplexität hervorbringt in seiner vollkommenen Einfachheit, sowohl in euch, alsauch scheinbar ausserhalb von euch. Innen und aussen sind dasselbe, im übrigen".
"Was meinst du damit?" fragte der Schmetterling
"Nun, du meinst mich hier ausserhalb deiner zu sehen, doch bin ich in dir, wie du in mir bist, ebenso wie auch all jene Gedankenformen in dir sind, und du in ihnen, die du in diesem Jetzt deines Erlebens nicht wähltest, bzw deinem Traum von dir selbst im Moment nicht entsprachen. "
Kaum hatte der Gedanke das gesagt, veränderte sich die ganze Szenerie. Genauso wie zuvor die Gedanken verschwanden, verschwand jetzt auch der eine Gedanke und der Schmetterling fand sich an einem unbeschreibbaren Ort, bzw ist es falsch zu sagen, dass er sich irgendwo befand, denn er selbst wurde zum Raum, er selbst war der Inhalt und der Raum war unendlich und nirgends zugleich...
(c)Gabriela Kriebernegg, "Gedankenwinde"